Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist von Versprechen geprägt, die häufig weit über das hinausgehen, was die Wissenschaft tatsächlich belegt. Verbraucherinnen und Verbraucher stehen vor einer schwierigen Aufgabe: Wie lässt sich seriöse Information von Marketing unterscheiden?
Auf dem Hohentor Gesundheitsportal basiert jede gesundheitsbezogene Aussage auf nachprüfbaren wissenschaftlichen Quellen. Wir arbeiten ausschließlich mit Primärliteratur aus anerkannten Datenbanken und ordnen die Studienlage transparent ein – einschließlich ihrer Grenzen.
Auf dieser Seite erklären wir, welche Quellen wir nutzen, wie wir Studien bewerten und was die EU Health Claims Verordnung für Gesundheitsaussagen zu Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln bedeutet. Unser Ziel: Sie in die Lage versetzen, Gesundheitsinformationen eigenständig einzuordnen.
Nicht jede Quelle ist gleich: Unsere Evidenzhierarchie
In der Wissenschaft haben verschiedene Quellentypen unterschiedliche Aussagekraft. Wir priorisieren Quellen nach ihrer Evidenzstärke – von der höchsten bis zur niedrigsten Stufe:
Stufe 1: Systematische Reviews & Meta-Analysen
Höchste Evidenzstufe
Systematische Reviews fassen die Ergebnisse aller verfügbaren Studien zu einer bestimmten Fragestellung zusammen. Meta-Analysen gehen einen Schritt weiter: Sie kombinieren die Daten mehrerer Studien statistisch, um zu einer belastbareren Gesamtaussage zu gelangen. Wenn wir eine Meta-Analyse zitieren können, tun wir das – sie liefert die zuverlässigste Evidenz.
Hauptquelle: Cochrane Library, PubMed Central
Stufe 2: Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs)
Goldstandard der klinischen Forschung
RCTs teilen Teilnehmer zufällig in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe auf. Im besten Fall wissen weder Teilnehmer noch Forscher, wer das Präparat und wer das Placebo erhält (doppelblind). Dieses Design minimiert Verzerrungen und erlaubt kausale Schlüsse – wenn die Studie methodisch sauber durchgeführt wurde.
Hauptquelle: PubMed, ClinicalTrials.gov
Stufe 3: Kohortenstudien & Beobachtungsstudien
Korrelation, nicht zwingend Kausalität
Kohortenstudien beobachten eine Gruppe von Menschen über einen längeren Zeitraum, ohne aktiv einzugreifen. Sie können Zusammenhänge aufzeigen – etwa zwischen der Einnahme eines Supplements und einem gesundheitlichen Outcome –, aber sie beweisen keinen ursächlichen Zusammenhang. Wir kennzeichnen Ergebnisse aus Beobachtungsstudien stets als das, was sie sind: Hinweise, keine Beweise.
Stufe 4: EFSA-Gutachten & offizielle Bewertungen
Regulatorische Evidenzbewertung
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet gesundheitsbezogene Aussagen zu Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Ihre Gutachten basieren auf einer eigenen Prüfung der verfügbaren Studienlage. Ein positives EFSA-Gutachten bedeutet, dass eine gesundheitliche Wirkung als wissenschaftlich hinreichend belegt eingestuft wurde.
Stufe 5: Fachbücher & Leitlinien
Expertenwissen und Praxisempfehlungen
Leitlinien medizinischer Fachgesellschaften und pharmazeutische Fachbücher fassen den aktuellen Wissensstand zusammen und geben Praxisempfehlungen. Sie sind keine Primärquellen, aber wertvolle Orientierungshilfen – insbesondere für Dosierungsempfehlungen und Sicherheitsbewertungen.
In-vitro-Studien & Tiermodelle
Vorstufe klinischer Forschung – mit Vorsicht zu interpretieren
Laborstudien (in vitro) und Tierversuche können Hinweise auf Wirkmechanismen liefern, sind jedoch nicht direkt auf den Menschen übertragbar. Wenn ein Inhaltsstoff nur durch In-vitro-Daten gestützt wird, weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass klinische Belege am Menschen fehlen.
Was wir nicht als Quelle verwenden
Herstellerangaben ohne unabhängigen Studienbeleg, Anwenderberichte und Testimonials, Social-Media-Behauptungen, nicht peer-reviewed Arbeiten und Meinungsbeiträge fließen nicht in unsere Bewertungen ein. Wenn wir Herstelleraussagen wiedergeben, kennzeichnen wir diese ausdrücklich als solche.
Studientypen verstehen – ein Leitfaden für Verbraucher
Nicht jede Studie ist gleich aussagekräftig. Wenn Sie Gesundheitsinformationen lesen, hilft es zu verstehen, welches Studiendesign hinter einer Aussage steht. Hier erklären wir die wichtigsten Studientypen – verständlich und ohne Fachjargon:
Meta-Analyse
Die „Königsklasse“ der Evidenz
Eine Meta-Analyse fasst die statistischen Ergebnisse mehrerer unabhängiger Studien zusammen und berechnet einen Gesamteffekt. Dadurch werden Verzerrungen einzelner Studien ausgeglichen und die Aussagekraft erhöht. Eine gute Meta-Analyse definiert vorab klare Einschlusskriterien und prüft die Qualität jeder einbezogenen Studie.
Was das für Sie bedeutet: Wenn eine Meta-Analyse einen Effekt bestätigt, ist das der stärkste wissenschaftliche Hinweis, den es gibt. Wir bevorzugen diese Evidenzstufe, wo immer sie verfügbar ist.
Evidenzstärke: ★★★★★ – Höchste
Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
Der Goldstandard der Einzelstudie
Teilnehmer werden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine erhält das Präparat, die andere ein Placebo. Im Idealfall wissen weder Teilnehmer noch Forscher, wer was bekommt (doppelblind). Erst nach Studienende wird entblindet und ausgewertet. Dieses Design kontrolliert für den Placeboeffekt und persönliche Erwartungen.
Was das für Sie bedeutet: Ergebnisse aus gut durchgeführten RCTs erlauben eine Aussage über Ursache und Wirkung. Wenn eine RCT zeigt, dass ein Inhaltsstoff wirkt, ist das ein starkes Signal – aber eine einzelne Studie reicht selten für eine abschließende Bewertung.
Evidenzstärke: ★★★★ – Hoch
Kohortenstudie
Langzeitbeobachtung ohne Eingriff
Eine Kohortenstudie begleitet eine Gruppe von Menschen über Monate oder Jahre und erfasst, welche Faktoren mit bestimmten gesundheitlichen Ergebnissen zusammenhängen. Anders als bei einer RCT wird nicht aktiv eingegriffen – man beobachtet, was natürlicherweise geschieht.
Was das für Sie bedeutet: Kohortenstudien können zeigen, dass zwei Dinge zusammenhängen (Korrelation) – aber nicht, dass das eine das andere verursacht. Wenn wir Kohortendaten zitieren, weisen wir darauf hin, dass es sich um einen beobachteten Zusammenhang handelt, nicht um einen bewiesenen Effekt.
Evidenzstärke: ★★★ – Mittel
In-vitro-Studie (Laborstudie)
Erkenntnisse aus der Petrischale
In-vitro-Studien untersuchen biologische Prozesse außerhalb eines lebenden Organismus – typischerweise an Zellkulturen im Labor. Sie können zeigen, wie ein Stoff auf molekularer Ebene wirkt, sagen aber nichts darüber aus, ob dieser Effekt im menschlichen Körper tatsächlich eintritt.
Was das für Sie bedeutet: Laborergebnisse sind interessant, aber kein Beleg für eine Wirkung beim Menschen. Viele Stoffe, die in der Petrischale beeindruckend wirken, zeigen im menschlichen Körper keinen messbaren Effekt – etwa weil sie nicht ausreichend aufgenommen werden.
Evidenzstärke: ★★ – Niedrig
Fallberichte & Anwenderbeobachtungen
Einzelbeobachtungen ohne Kontrollgruppe
Fallberichte beschreiben die Beobachtung an einzelnen Patienten oder kleinen Gruppen ohne Kontrollbedingung. Anwenderberichte und Testimonials fallen in eine ähnliche Kategorie: Sie schildern individuelle Erfahrungen, die nicht verallgemeinerbar sind.
Was das für Sie bedeutet: Einzelne Erfahrungsberichte sagen nichts über die allgemeine Wirksamkeit eines Produkts aus. Der Placeboeffekt, natürliche Schwankungen und Erwartungshaltung können das Ergebnis vollständig erklären. Wir stützen keine Aussagen auf Fallberichte.
Evidenzstärke: ★ – Sehr niedrig (nicht als Evidenzgrundlage geeignet)
Die EU Health Claims Verordnung – was dürfen Hersteller versprechen?
In der Europäischen Union regelt die Health Claims Verordnung (EG) Nr. 1924/2006, welche gesundheitsbezogenen Aussagen für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel zulässig sind. Nur Aussagen, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wissenschaftlich geprüft und zugelassen wurden, dürfen in der Werbung und auf Verpackungen verwendet werden.
Das Ziel dieser Verordnung ist der Verbraucherschutz: Hersteller sollen keine Wirkungen versprechen, die wissenschaftlich nicht belegt sind. In der Praxis bedeutet das, dass viele populäre Werbeaussagen für Nahrungsergänzungsmittel rechtlich nicht zulässig sind.
Was bedeutet das für dieses Portal?
Auf dem Hohentor Gesundheitsportal verwenden wir ausschließlich zugelassene Health Claims oder kennzeichnen Aussagen ausdrücklich als „laut Hersteller“, „laut vorläufiger Studienlage“ oder „ohne zugelassenen Health Claim“. So können Sie jederzeit einschätzen, wie belastbar eine Aussage ist.
Beispiele: Zugelassen vs. nicht zugelassen
| Inhaltsstoff | ✓ Zugelassener Claim (EFSA) | ✗ Nicht zulässige Aussage |
|---|---|---|
| Glucomannan | Trägt im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung zu Gewichtsverlust bei | Lässt Pfunde schmelzen / Fettverbrenner |
| Vitamin D | Trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei | Schützt vor Erkältungen und Grippe |
| Zink | Trägt zur normalen kognitiven Funktion bei | Macht schlauer / Steigert die Gehirnleistung |
| Chrom | Trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels bei | Reguliert den Blutzucker / Stoppt Heißhunger |
| Biotin | Trägt zur Erhaltung normaler Haare bei | Stoppt Haarausfall / Lässt Haare nachwachsen |
| Calcium | Wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt | Verhindert Osteoporose / Heilt Knochenschwund |
Die vollständige Liste zugelassener Health Claims können Sie im EU Register of nutrition and health claims selbst einsehen. Wir empfehlen Verbrauchern, bei jedem Nahrungsergänzungsmittel kritisch zu prüfen, ob die beworbene Wirkung tatsächlich einen zugelassenen Health Claim hat.
Die Datenbanken hinter unserer Recherche
Transparenz bedeutet für uns auch, unsere Quellen offenzulegen. Für unsere Recherche nutzen wir ausschließlich anerkannte, wissenschaftliche Datenbanken. Jede Quelle, die wir in unseren Artikeln zitieren, können Sie selbst nachprüfen:
PubMed / PubMed Central
U.S. National Library of Medicine | National Institutes of Health
Die weltweit größte Datenbank für biomedizinische Fachliteratur. Enthält über 36 Millionen Abstracts und Volltextartikel aus mehr als 5.000 Fachzeitschriften. PubMed ist unsere primäre Recherchequelle für klinische Studien und Reviews zu Inhaltsstoffen von Nahrungsergänzungsmitteln.
Cochrane Library
Internationale Non-Profit-Organisation für evidenzbasierte Medizin
Die Cochrane Library gilt als Referenz für systematische Reviews und Meta-Analysen in der Medizin. Cochrane-Reviews folgen einem besonders strengen methodischen Protokoll und werden regelmäßig aktualisiert. Wenn ein Cochrane-Review zu einem Thema existiert, ist er unsere bevorzugte Quelle.
EFSA – Register of Health Claims
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
Das offizielle Register aller in der EU zugelassenen und abgelehnten gesundheitsbezogenen Aussagen zu Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Wir gleichen jede gesundheitsbezogene Aussage auf unserem Portal gegen dieses Register ab.
Examine.com
Unabhängige Supplement-Forschungsdatenbank
Examine.com ist eine der umfassendsten unabhängigen Plattformen für die Aufbereitung der Studienlage zu Nahrungsergänzungsmitteln. Die Datenbank analysiert Tausende von Studien und ordnet die Evidenz nach Wirkungsbereichen und Evidenzstärke ein. Wir nutzen Examine.com als ergänzende Referenz zur eigenen PubMed-Recherche.
ClinicalTrials.gov
U.S. National Library of Medicine – Studienregister
Dieses Register dokumentiert laufende und abgeschlossene klinische Studien weltweit. Wir nutzen es, um den aktuellen Forschungsstand zu überprüfen und festzustellen, ob zu einem Inhaltsstoff weitere Studien geplant oder in Durchführung sind.
EU Register of nutrition and health claims
Europäische Kommission
Das offizielle Verzeichnis aller zugelassenen, abgelehnten und in der Bewertung befindlichen Nährstoff- und Health Claims in der EU. Dieses Register ist die verbindliche Grundlage für alle gesundheitsbezogenen Aussagen auf unserem Portal.
ec.europa.eu/food/safety/labelling-and-nutrition/claims/register
Wissenschaft ist kein statischer Zustand – sie entwickelt sich ständig weiter. Neue Studien können bisherige Erkenntnisse bestätigen, ergänzen oder infrage stellen. Deshalb prüfen wir unsere Inhalte regelmäßig und aktualisieren sie, sobald neue relevante Daten vorliegen.
Wenn Sie Fragen zu unserer Quellenarbeit haben oder auf eine relevante Studie hinweisen möchten, schreiben Sie uns gerne.